Wissenschaftlich orientiert.
Entwicklungspsychologisch.
Psychosozial. Neurodivergenzsensibel.
Die Fachstelle NEUro-Blick hat sich auf die entwicklungs- und teilhabeorientierte Begleitung neurodivergenter Menschen sowie ihrer Bezugssysteme spezialisiert.
Neurodivergenz bedeutet für mich unterschiedliche Arten der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung, Kommunikation, Selbstregulation und Entwicklung. Daraus ergeben sich individuelle Stärken, aber häufig auch erhebliche Belastungen – insbesondere dann, wenn Umweltbedingungen und Unterstützungsangebote nicht zu den jeweiligen Bedürfnissen passen.
Deshalb steht nicht die Frage im Vordergrund, welche Diagnose vorliegt, sondern wie sich neurodivergente Entwicklung im individuellen Alltag zeigt, welche Faktoren Entwicklung beeinflussen und welche Bedingungen Teilhabe ermöglichen oder erschweren.
Neurodivergente Entwicklungsbedingungen zeigen sich häufig anders, als sie von außen wahrgenommen oder interpretiert werden. Deshalb verstehe ich meine Aufgabe darin, Verhalten nicht vorschnell zu bewerten, sondern die dahinterliegenden Entwicklungs- und Regulationsprozesse nachvollziehbar zu machen.
Meine Arbeit verbindet dabei wissenschaftliche Erkenntnisse zu Neurodivergenz, entwicklungspsychologische Grundlagen und psychosoziale Zusammenhänge mit einer leitlinieninformierten, sozialpädagogischen Arbeitsweise. Dabei führe ich Informationen aus unterschiedlichen Lebensbereichen systematisch zu einem nachvollziehbaren Gesamtbild zusammen, um individuelle und alltagstaugliche Unterstützungswege zu entwickeln.
Dabei verstehe ich Entwicklung als einen lebenslangen Prozess. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf Kindern und Jugendlichen, gleichzeitig begleite ich auch Erwachsene, bei denen neurodivergente Entwicklungsbedingungen häufig erst im Jugend- oder Erwachsenenalter erkannt oder verstanden werden.


Fachliche Haltung
Ich bin überzeugt, dass Entwicklung nur dann umfassend verstanden werden kann, wenn die Erfahrungen, Beobachtungen und Sichtweisen der betroffenen Menschen selbst, ihrer Familien sowie aller beteiligten Fachkräfte und Einrichtungen systematisch zusammengeführt und fachlich eingeordnet werden. Erst aus dem Zusammenspiel dieser unterschiedlichen Informationen entsteht ein nachvollziehbares Gesamtbild.
Deshalb betrachte ich Verhalten niemals losgelöst von den Bedingungen, unter denen es entsteht. In meine Einschätzung fließen entwicklungspsychologische Erkenntnisse, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu neurodivergenten Entwicklungsbedingungen, psychosoziale Einflussfaktoren, Umweltbedingungen sowie die Erfahrungen und fachlichen Einschätzungen aller Beteiligten gleichermaßen ein.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Frage:
„Was stimmt nicht?“
Sondern vielmehr:
„Welche Bedingungen sind notwendig, um Gesundheit, Entwicklung und Teilhabe zu ermöglichen, zu schützen oder nachhaltig zu fördern?“
Diese Haltung prägt meine gesamte Arbeitsweise. Mein Anspruch ist es, fachliche Entscheidungen transparent, nachvollziehbar und auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zu begründen sowie gemeinsam mit den betroffenen Menschen und ihrem Umfeld tragfähige Unterstützungswege zu entwickeln.
Wie meine Spezialisierung entstanden ist
Mein Interesse an Entwicklungsprozessen begann bereits während des Studiums der Sozialpädagogik (B.A.) mit dem Schwerpunkt Entwicklungspsychologie.
Den entscheidenden Impuls für meine heutige Spezialisierung erhielt ich jedoch einige Jahre später durch die intensive Begleitung meines eigenen Sohnes.
Diese Zeit war für unsere Familie mit erheblichen Belastungen verbunden.
Gleichzeitig entstand zunehmend das Gefühl, dass die damals üblichen Erklärungsmodelle dem, was ich täglich beobachtete, nicht vollständig gerecht wurden. Immer häufiger stellte ich fest, dass meine Beobachtungen und die vorhandenen fachlichen Erklärungen nicht zusammenpassten.
Was zunächst aus einem persönlichen Ausnahmezustand heraus entstand, entwickelte sich über viele Jahre zu einem intensiven fachlichen Erkenntnisprozess.
Die persönliche Erfahrung war dabei nicht die Grundlage meiner heutigen Fachlichkeit. Sie war der Ausgangspunkt für eine systematische wissenschaftliche und praktische Auseinandersetzung mit neurodivergenten Entwicklungsbedingungen.
Ich setzte mich intensiv mit wissenschaftlicher Literatur, aktuellen Leitlinien und Fachveröffentlichungen auseinander, suchte den Austausch mit Psychologinnen und Psychologen, Ärztinnen und Ärzten sowie spezialisierten Fachpersonen, nahm an Fortbildungen, Fachtagen, Fachstammtischen und Arbeitskreisen teil und überprüfte neue Erkenntnisse kontinuierlich anhand meiner beruflichen Praxis.
Mit der Zeit entstand daraus nicht nur ein umfangreiches Fachwissen, sondern vor allem ein tiefes Verständnis dafür, wie eng Entwicklung, Selbstregulation, Umweltbedingungen und Teilhabe miteinander verbunden sind.
Heute bildet genau diese Verbindung den fachlichen Schwerpunkt der Fachstelle NEUro-Blick.


Beruflicher Hintergrund
Mein beruflicher Hintergrund verbindet unterschiedliche Bereiche der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe sowie der psychosozialen Versorgung.
Während meiner beruflichen Tätigkeit konnte ich Erfahrungen in der Begleitung komplexer Entwicklungsverläufe, der Hilfeplanung, der Eingliederungshilfe, dem Kinderschutz sowie der interdisziplinären Zusammenarbeit mit unterschiedlichsten Berufsgruppen sammeln.
Hierzu gehörten unter anderem die Erstellung fachlicher Stellungnahmen und Gerichtsschreiben, Gefährdungseinschätzungen, Hilfeplanverfahren sowie die Zusammenarbeit mit Schulen, therapeutischen Einrichtungen, medizinischen Fachdisziplinen und Gerichten.
Bereits früh setzte ich mich intensiv mit den Themen Entwicklung, Trauma sowie Kinderrechten auseinander.
Meine Bachelorarbeit beschäftigte sich mit dem Thema „Rechte und Würde von Kindern“. Darüber hinaus entstanden verschiedene fachliche Arbeiten und Weiterbildungen im Bereich Trauma und psychosozoziale Entwicklung.
Neben der praktischen Arbeit gehörte auch die Organisation und Mitgestaltung fachlicher Veranstaltungen zu meinem beruflichen Weg. So wirkte ich unter anderem an der Organisation eines interdisziplinären Fachtages gemeinsam mit der Hochschule Merseburg zum Thema „Psychiatrie trifft Adoleszenz“ mit.
Diese unterschiedlichen Erfahrungen bilden heute die Grundlage einer Arbeitsweise, die entwicklungspsychologische, psychosoziale und neurodivergenzspezifische Perspektiven miteinander verbindet.
Wofür ich arbeite
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der neurodivergente Menschen nicht erst dann verstanden werden, wenn sie bereits gesundheitlich oder psychisch stark belastet sind.
Mein Ziel ist es, dazu beizutragen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene frühzeitig die Unterstützung erhalten, die ihrer Entwicklung tatsächlich gerecht wird – und dass ihre Besonderheiten nicht als Fehlverhalten missverstanden werden.
Ebenso wichtig ist mir, Familien zu entlasten. Eltern sollen sich nicht dauerhaft zwischen den Bedürfnissen ihres Kindes und den Erwartungen ihres Umfeldes aufreiben müssen. Verständnis, fachliche Orientierung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit schaffen aus meiner Sicht die Grundlage dafür, dass Entwicklung wieder möglich wird.
Ich wünsche mir, dass jedes neurodivergente Kind die Chance erhält, in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem es gesehen, verstanden und entsprechend seiner individuellen Bedürfnisse begleitet wird.
Denn Entwicklung gelingt dort, wo Verständnis, passende Rahmenbedingungen und individuelle Unterstützung zusammenkommen.

